Foto: Elisabeth Giovanoli

Wer keine Zeit hat, hat Zeit für anderes. Wir Zeitlosen.

Keine Zeit? Wer das sagt, hat zwei Möglichkeiten. A: er nimmt sich Zeit. B: er bleibt weiter zeitlos. Noch gut ist mir ein Gespräch in Erinnerung, in dem ich mich über die Zeitlosigkeit der Menschen beschwert habe. Freundinnen, die immer Treffen absagen. Freundinnen, die völlig gehetzt zu einem Treffen kommen und gleich bei ersten Schluck Kaffee auf die Uhr schauen, weil der nächste Termin wartet schon. Menschen, mit denen man Monate vorher abmachen muss. Im Rahmen der Diskussion fiel dann ein Satz, der seit dem Tag immer wieder in meinem Denken auftaucht. Da sagte mein Gegenüber: Elisabeth, die Leute haben Zeit, sie haben keine Zeit für Dich. Das hat gesessen. Und mir zu denken gegeben. Das Schöne, es gibt wunderbare Ausnahmen. Es gibt die Menschen, die sich Zeit nehmen. Sich ganz bewusst entscheiden Zeit zu schenken.

Denn wer keine Zeit hat, hat Zeit für anderes. Das ist so. Die Entscheidung für was wir uns Zeit nehmen liegt bei uns. Natürlich gibt es Situationen, da hat man keine andere Wahl. Da ist mir aufgefallen, dass ganz viele Menschen kaum nicht vorbestimmte Zeit haben. Das heisst, alles ist reserviert, verplant und optimiert. Zeit haben ist eine Qualität. Zeit schenken, ein grosses Geschenk.

Eine Zeit der wenigen Zeit

Wir leben in einer Zeit der wenigen Zeit. Und müssen uns und darin zurechtfinden. Denn die Möglichkeiten um uns herum sind enorm. Der Wunsch nach Selbsterfüllung und Optimierung gigantisch. Viele denken gar nicht mehr darüber nach, warum sie keine Zeit haben. Vielleicht bis zu dem Augenblick, wo dann keiner mehr Zeit für sie hat.
Für mich hat Freundschaft viel mit Zeit zu tun. Mit dem, einer Freundschaft auch den nötigen Raum zu geben. Wien ist ein gutes Beispiel für mich. Wenn ich in meine Heimat zurückkehre, dann oft spontan. Ich plane wenig im Voraus. Für die die Zeit haben, nehme ich mir Zeit. Ganz bewusst. In meiner alten Heimat gibt es die Einen, die finden spontan wirklich nie Zeit und die Anderen, die nehmen sich immer Zeit. So einfach ist das.

Bist du zeitlos? Hast Du keine Zeit?

Für was hast Du Zeit? Für was nimmst Du Dir Zeit? Wie wichtig ist Dir Zeit oder was ist Deine Zeit wert?
Die Entscheidung liegt bei uns.

Ich wünsche Euch eine schöne Weihnachtszeit. Schenkt denen, die Euch wichtig sind Zeit.

Herzlichst Eure
Elisabeth

9 Antworten
  1. Ellen
    Ellen says:

    Liebe Elisabeth,
    Es gibt tatsächlich Lebenssituationen, in denen man keine Zeit hat und sich auch keine Zeit nehmen kann. Manchmal liegt die Entscheidung, wie Du ja selbst feststellst, eben nicht bei uns! Statt dann zu hören, man solle sich Zeit nehmen, wäre es wesentlich hilfreicher Freunde zu haben, die Verständnis haben, oder sogar, sofern sie Zeit haben, mal mit anpacken. Es schmerzt dann, hören zu müssen, man solle sich Zeit nehmen, wenn man in Arbeit fast ertrinkt am Abend einfach nur müde ins Bett fällt.
    Liebe Grüsse
    Ellen

    Antworten
    • Elisabeth Giovanoli
      Elisabeth Giovanoli says:

      Liebe Ellen – natürlich gibt es Situationen im Leben wo Zeit aus unterschiedlichen Gründen fehlt. Dafür glaube ich hat jeder Verständnis. Und da zu unterstützen ist Aufgabe einer Freundschaft. Ich habe in meinem Beitrag eher über den Alltag geschrieben. Über Menschen, die immer nur hetzen. Ich hatte Freund in Wien sehr viele Jahre. Wenn sie uns besucht haben, haben wir uns sogar frei genommen. Weil wir wollten wirklich die Zeit mit ihnen geniessen. Umgekehrt war das immer ganz anders. Wenn wir ihn Wien waren, hatten sie kaum Zeit, weil ihr Leben so vollgestopft war. Das hat mir zu denken gegeben. Und irgendwann hatten wir auch keine Zeit mehr. Weil Freundschaft ist für mich Zeit verbringen und Zeit schenken. Und in schwierigen Situationen zu unterstützen, zu helfen, sich eben auch Zeit nehmen um zu helfen, zu zuhören usw. Ganz herzliche Grüsse – Elisabeth

      Antworten
  2. Margarits
    Margarits says:

    Schöner Beitrag. Ich habe dieses Phänomen auch schon sehr oft beobachtet bei jüngeren auch. Ich liebe es mir wenig zu verplanen und ganz viel Raum für Spontanität und auch nichts-tun! zu haben. Ein Luxusgut unserer Zeit – offenbar. Schöne Weihnachten und guten Rutsch! Ein Wiedersehen würde mich freuen im Neuen Jahr! Viele liebe Grüsse Margarita (margute.com)

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    • Elisabeth Giovanoli
      Elisabeth Giovanoli says:

      Liebe Margarita
      Danke für Dein feedback. Ich sehe das so wie Du, ich habe mir das gelernt. Raum lassen, natürlich funktioniert das nicht immer, aber mein Bewusstsein für das Thema ist gestärkt. Dir auch schöne Weihnachten und ein wiedersehen 2018 wäre sehr schön. herzliche Grüsse

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  3. Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
    Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit) says:

    Danke für diese schönen Gedanken! Um sich Zeit nehmen zu können, muss man sich selbst auch Zeit geben. Denn wenn ich etwas unbedingt tun will, dann gebe ich mir die Zeit, die ich dafür benötige: Ich schreibe sie in meine Agenda, ich schiebe oder streiche andere Dinges und ich setze die Prioritäten anders. Am Ende hat die Zeitfrage gar nichts mit Zeit zu tun (denn davon haben alle immer gleich viel zur Verfügung, nämlich 24 Stunden im Tag), sondern mit Prioritätensetzung.

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    • Elisabeth Giovanoli
      Elisabeth Giovanoli says:

      Liebe Katharina – Du hast soo recht. Es stimmt – jeder hat 24 Stunden – also die gleiche Zeit pro Tag. Und ja, es ist ein Frage der Priorität. Und wenn jemand keine Zeit hat, hat er Zeit für anderes. So ist das. Wenn man etwas will, dann nimmt man sich die Zeit oder findet sie. Prioritäten sind die Lösung. Was aber auch heisst, dass man für manche Menschen keine Zeit mehr hat, weil andere Prioritäten. Was total Ok ist. Teil des Lebens. Liebe Grüsse

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      • Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit)
        Katharina (Mama hat jetzt keine Zeit) says:

        Ich musste mal in einem Zeitmanagementkurs eine solche Übung machen:
        Einen Tag lang statt „ich kann nicht“ oder „ich muss noch“ ganz ehrlich sein und „ich will nicht…“ oder „ich will jetzt lieber…“ sagen.
        Wobei man fair sein muss: Es liegt nicht immer direkt am Wollen. Viele haben auch Muffensausen oder fürchten sich vor den Konsequenzen, wenn sie etwas mal sausen lassen.
        „Ich kann jetzt noch nicht Feierabend machen, muss zuerst noch abwaschen“. Wenn man den Abwasch stehen lässt, dann passiert nämlich exakt genau überhaupt gar nichts, ausser dass das Geschirr am nächsten Morgen noch da steht.

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