Über Energieräuber und Egoisten

Nein, Energieräuber sind keine kleinen lieben Monster. Ich schreibe jetzt nicht vom Terror des positiven Denkens. Alle die, die immer so entspannt glücklich tun sind mir ganz ehrlich auch suspekt. Das Leben ist kein Ponyhof und Fakten sind Fakten, die gehören zu unserem Leben dazu, wie Höhen und Tiefen. Es ist einfach nicht immer alles rosa und positiv, und das ist auch gut so. Ich erwarte mir von keinem Freund, dass er immer positiv ist und denkt, das wäre ja lächerlich. Aber ich erwarte mir von Menschen, dass sie sich überlegen, mit wem sie was teilen. Eheprobleme, gesundheitliches Probleme, Sorgen in der Arbeit, verpatzte Operationen, Todesfälle, Erbschaftsstreitereien,  Scheidungsfälle, Unglücke, all das muss ich im Alltag verarbeiten, von Menschen, die ich eigentlich kaum kenne. Und ich bin kein Psychiater oder Therapeut. Ich bin nicht die richtige Adresse für ihre persönliche Problem-Lawine.

Kaffeesatzlesen beherrsche ich als Teetrinkerin nicht. Foto: Elisabeth Giovanoli

Energieräuber auf nüchternen Magen

Ich mag nicht auf nüchternem Magen mit dem ersten Todesfall konfrontiert werden, oder der Krebskrankeit einer Frau, die ich gar nicht kenne. Sorry, nicht weil ich keine Empathie besitze, sondern einfach, weil meine Empathie meiner Familie und meinen Freunden gehört. Den Menschen, die für mich da sind, in guten und schlechten Zeiten, die Freundschaften pflegen, die sich um mich kümmern und sich wirklich interessieren für mich.

Ich bin nicht sensationslüstern gegenüber all Euren Problemen. Und es geht mir nicht besser, wenn es Euch schlechter geht. Wenn ich das Gefühl habe, ich möchte im Leben anderer wühlen, dann kaufe ich mir die Gala oder die Schweizer Illustrierte. 

Schon ewig nicht gesehen. Echt lieber Energieräuber?

Wenn mein WhatsUp aufleuchtet und da steht: Schon ewig nicht mehr gehört und gesehen ( Zur Erklärung, es ist ein Jahr), aber jetzt hätte ich Zeit und es gäbe soooo viel zu erzählen. Da läuten bei  mir die Alarmglocken. Will ich das alles überhaupt hören? Ein Jahr aus Deinem fremden Leben, hineingepresst in zwei Stunden. Ich weiss, wie es mir danach geht. Ausgelaugt. Aber ich kann mich ja dann wieder ein Jahr erholen. 

Es trägt sich nicht immer leicht, all die Sorgen der Anderen. Foto: Elisabeth Giovanoli

Die Power Telefoniererin

Oder dann die Power-Telefonierer, die nie Zeit haben Dich im normalen Leben zu treffen, aber am Telefon fallen alle Hemmungen, bismein Ohr rot glüht und mein Hirn auf taub stellt. Eigentlich könnte ich den Hörer auch beiseite  legen. Dann zum Abschluss ein gehauchtes: Gell, bei Dir ist eh alles in Ordnung? Das war es, bis Du angerufen hast, denke ich dann.

So eine kleine Bitte nach Monaten der Stille

Auch die ferne Bekannte, die mein Mail acht Monate nicht beantwortet und dann doch einmal antworten: Du, ich habe da eine grosse Bitte…… Echt wahr, denke ich? Ich habe da auch eine ganz kleine Bitte retour, beantworte doch einmal das Mail. Da hattest Du mich nämlich eingeladen. Oder so getan, als würdest Du das. Ehrlich, mehr Egoismus geht doch gar nicht mehr. Das zeigt, es gibt ganz schmerzfreie Menschen, regiert von eigenen Bedürfnissen.

Ich mag auch nicht bei der Massage, beim Coiffeur, im Nagelstudio ständig Konversation führen oder zuhören. Es lebe die alte Trockenhaube beim Coiffeur. 

On my way….. Foto: Giovanoli

Energetische Herausforderung

Besonders beliebt bei Energieräubern scheint der Hundespaziergang – man ist komplett ausgeliefert, weil es führt eben nur der eine Weg durch den Wald. In meinem Kopf rotiert die Frage: Muss ich mir das alles wirklich anhören? Alles was Euch belastet? Bin ich die richtige Person dafür? Ich kenne Euch gar nicht und ihr erzählt mir alles, ohne Rücksicht. Dinge, die ich nur einer wirklich guten Freundin erzählen würde. Aber ich bin nicht Eure Freundin, ich war noch nie bei Euch zu Hause, ich kann Euch nicht anrufen, wenn es mir schlecht geht, ihr wisst kaum etwas über mich und mein Leben. Das ist Euch auch aber egal, ihr wollt einfach reden.

 Mein Tipp – sucht Euch eine echte Freundin

Eine, die ihr immer anrufen könnt, die Euch von Herzen mag, die sich Zeit nimmt für Euch und die Euch kennt. Der könnt ihr dann alles, aber wirklich alles erzählen. So ist das… und wenn ihr keine Freundin habt, also keine echte,  dann macht ihr was so richtig falsch. 

Das Gute ist: Ich habe gelernt mich abzugrenzen und lerne es immer noch. Ich muss, will und mag mir einfach nicht alles aufladen lassen. In diesem Sinne, ein Hoch auf die Familie und die echten Freundschaften. Die bedeuten mir nämlich enorm viel liebe Energieräuber und Egoisten. 

Jetzt seien Sie doch mal negativ.

Wem gehört Dein Herz? Foto: Elisabeth Giovanoli

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